Weniger Mähen, mehr Leben
Ein Blick in die Schweizer Gartenlandschaft zeigt: Ordnung dominiert. Was für uns schön aussieht, wird für viele Insekten zur Herausforderung. Auf kurz geschorenen Rasenflächen finden sich keine nektarreichen Blüten und schon gar keine Rückzugsorte. Doch genau das wäre dringend nötig, denn in der Schweiz ist rund die Hälfte der natürlichen Lebensräume gefährdet, ebenso ein Drittel aller Arten. Damit ist auch die genetische Vielfalt bedroht – ein wichtiges Fundament für stabile Ökosysteme.
Gerade Rasenflächen rund ums Haus – ob gross oder klein – bieten enormes Potenzial, um der Natur wieder mehr Raum zu geben. Wer beim Rasenmähen zum Beispiel konsequent einen «Blühstreifen» oder eine Blumeninsel stehen lässt, schafft damit wertvolle Rückzugsmöglichkeiten für Insekten – ein kleines «Mini-Schutzgebiet» direkt vor der Haustür, das stehen bleibt, bis der Rest des Rasens nachgewachsen ist.
Noch wirkungsvoller ist es, den Mäh-Rhythmus insgesamt etwas grosszügiger zu gestalten. So lässt sich die Rasenfläche allmählich in einen sogenannten Blumenrasen verwandeln – eine pflegeleichte, trittfeste und zugleich farbenfrohe Alternative zum klassischen Zierrasen. Sie besteht aus robusten Gräsern und niedrig wachsenden Blütenpflanzen wie Gänseblümchen, Wiesenschaumkraut, Schafgarbe, Pippau oder Braunelle. Blumenrasen gedeihen sowohl auf sonnigen, trockenen Flächen als auch in halbschattigen oder feuchteren Bereichen – ganz ohne grossen Aufwand.
Was es dafür braucht? Vor allem den Verzicht auf Dünger und Pestizide. Auch häufiges Mähen ist nicht nötig: Der erste Schnitt erfolgt spätestens Anfang Mai. Danach genügt ein Schnitt alle vier bis sechs Wochen. Mit diesen wenigen, aber wirkungsvollen Anpassungen lässt sich bereits viel erreichen – zugunsten von Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Gartenbewohnern.